Neuseeland, Teil 6

Von Queenstown sollte es dann am nächsten Tag über Milford Sound zum Gunn’s Camp gehen. Laut Erzählungen, Empfehlungen, Reiseführern, etc. ist Milford Sound wunderschön und beeindruckend und einer der absoluten „Must Do“ in Neuseeland. Bei allen Passagieren im Bus war die Vorfreude entsprechend ziemlich groß. Bei unserem Zwischenstopp in Te Anau wollten wir dann die Tickets für das Boot / die Fähre für den Trip durch Milford Sound kaufen. Und als uns gesagt wurde, dass die Zufahrtsstraße, um zum Boot zu kommen, wegen Schnee gesperrt ist, war die Enttäuschung schon ziemlich groß. Die Fahrerin vom Stray Bus hat sich dann ein paarmal entschuldigt, aber die kann ja auch nichts dafür. Wirklich schade, dass der Ausflug nicht geklappt hat. Somit gibt es jetzt auf jeden Fall einen guten Grund irgendwann noch einmal nach Neuseeland zu kommen. 😉
Somit sind wir dann schon nachmittags im Gunn’s Camp angekommen. Eine wirklich sehr schöne Anlage ganz weit draußen im Hinterland. Vor allem wohl bei schönem Wetter. Leider war es ziemlich kalt und hat dann irgendwann geschüttet wie aus Kübeln. Und es hat auch nicht mehr aufgehört. Somit haben sich die Leute mit Karten spielen, puzzeln, etc. die Zeit vertrieben. Und ich habe mal ein bisschen in meinem Buch gelesen. Da kommt man ja sonst nicht dazu aufgrund der vielen Unternehmungen. Pünktlich um 22:00 Uhr wurden dann die Generatoren abgeschaltet und es war stockdunkel und ziemlich kalt. Und die Nacht in der kalten Hütte war dann doch irgendwie ziemlich ungemütlich.

Wieder einen Tag später hatte man die Möglichkeit von Bluff aus, dem südlichsten Ort der Südinsel, mit der Fähre nach Stewart Island zu fahren. Eine Insel am südlichsten Punkt Neuseelands mit circa 600 Einwohnern. Wobei die Einheimischen sagen, dass weniger Leute dort leben. Die drittgrößte Insel Neuseelands. Die Hinfahrt war um 17:15 Uhr und die Rückfahrt war für den nächsten Tag um 15:30 Uhr geplant. Und nachdem es total geschüttet und gestürmt hat, dachte ich mir, dass der Ausflug evtl. nicht wirklich sinnvoll ist, falls das Wetter am nächsten Tag noch genauso ist. Und dann ging es auf die Fähre. So eine heftige Fahrt habe ich noch nie erlebt. Erst war ich mir nicht sicher, ob es am Seegang liegt oder ich in einer Fahrschule für Kapitäne gelandet bin. 😉 Das Wort „schaukeln“ wäre für diese Fahrt völlig untertrieben. Ich hätte ja gerne ein Video gedreht, aber habe es dann bevorzugt, mich mit beiden Händen irgendwo fest zu klammern. Wenn man aufgestanden wäre, wäre man wohl keine 10 Sekunden stehen geblieben, so wie das alles gewackelt, geschaukelt, etc. hat. Gut, dass ich mit so etwas keine Probleme habe, aber circa 80 % der Passagiere haben irgendwie gar nicht mehr gut ausgesehen und haben sich vorsorglich Tüten geben lassen. Auch wenn sich dann nur einige wenige tatsächlich übergeben haben. Den ganzen Abend und die ganze Nacht hat es dann geschüttet und gestürmt. In der Früh hat es dann ein klein bisschen besser ausgesehen. Und ich dachte mir: wenn ich schon mal da bin, kann ich nicht die ganze Zeit einfach im Hostel sitzen bleiben und dann wieder mit der Fähre zurück fahren. Ein paar Leute haben sich dann für eine sehr lange Wanderung entschieden, einige haben tatsächlich gar nichts gemacht und ich habe dann eine gemütlichen und sehr schöne circa zweistündige Wanderung gemacht. Klar hätte ich mich bei irgendwelchen Leuten anschließen können, aber ich hatte an diesem Tag einfach Lust alleine los zu ziehen. Also habe ich mich warm eingepackt mit Kapuzenpulli, Regenjacke, Mütze und bin los gewandert. Und es war wirklich eine sehr schöne Strecke. Teilweise wie im Dschungel. Und dadurch war ich auch vor dem Regen geschützt. Zeitweise war das Wetter ziemlich ungemütlich, aber im Großen und Ganzen eigentlich o. k. und die Wanderung war wirklich wunderschön.

Als ich wieder zurück war hat es dann in Strömen geregnet, gestürmt, und es war kalt. Und dann wurde uns mitgeteilt, dass alle Fahrten der Fähren für den kompletten Tag storniert wurden. Na bravo! Naja, und somit sind wir dann im Hostel rumgehangen den ganzen Tag. Auf einer einsamen, verregneten Insel hat man halt auch nur begrenzte Möglichkeiten. Aber so ein Tag Verzögerung verursacht schon einige Probleme. Man ist ja auf den jeweiligen Stray Bus gebucht und der Bus, den man eigentlich gebucht hatte, war dann natürlich weg. Für einige hat das riesige Probleme verursacht, so dass gegebenenfalls Flüge umgebucht werden müssen. Gemäß Zeitplan wäre ich eigentlich wieder mit der Fähre zurückgefahren, hätte dann eine Nacht in Queenstown verbracht und wäre dann mit dem Stray Bus zu Mount Cook gefahren und wieder einen Tag später nach Christchurch. Aber das hat ja nun alles nicht mehr funktioniert. Somit habe ich mir dann vorsorglich einen Intercity-Bus von Queenstown nach Christchurch gebucht. Und das war eine gute Entscheidung. Denn ein paar Stunden später war der schon komplett ausgebucht. Und ich war echt froh, dass das bei mir alles noch nicht so kritisch war mit der Umbucherei, weil ich noch ein paar Tage Puffer hatte. Auch am nächsten Morgen hat es noch in Strömen geschüttet und gestürmt. Aber die Fähre um 12:00 Uhr ist dann tatsächlich gefahren. Die Fahrt war noch um einiges heftiger als die Hinfahrt. Es haben sich noch einige mehr Leute übergeben und ich habe mich wieder halbwegs panisch mit beiden Händen am Sitz fest geklammert. Eine völlig wahnsinnige Fahrt bei dem irren Seegang. Und während der Fahrt habe ich mir dann die Frage gestellt, ob es wirklich so klug war, am Abend davor eine Flasche Rotwein zu trinken. 😉

Video Fähre und Wetter

Nach einer Stunde hatte ich dann aber alles gut überstanden und wir sind wieder sicher auf dem Festland angekommen. Anschließend hat uns dann ein Bus der Fähren-Firma wieder nach Queenstown gefahren. Sowas kann man natürlich nicht vorher wissen, aber der Ausflug auf die Insel hat sich somit leider nicht wirklich gelohnt. Die zweistündige Wanderung hätte ich auch woanders machen können. Aber irgendwie war es trotzdem ganz witzig und abenteuerlich. Aber genervt hat das mit der Verzögerung natürlich auch irgendwie.

Das mit der achtstündigen Fahrt mit dem Intercity-Bus von Queenstown nach Christchurch hat gut geklappt und es war eine ziemlich entspannte und angenehme Fahrt…wenn auch eine ziemlich lange. In Christchurch bin ich dann ins Jailhouse Accomodation Hostel eingezogen. Von 1874 bis 1999 war das tatsächlich ein Gefängnis. Und irgendwie ist diese Unterkunft echt interessant und cool gestaltet.

Heute war dann endlich mal wieder ein wunderschöner sonniger Tag. So etwas habe ich ja nun schon länger nicht mehr erlebt. Und das war natürlich perfekt, um Christchurch zu erkunden und einfach ein bisschen durch die Stadt zu laufen. Wirklich ganz schön und niedlich diese Stadt. Im September 2010 und im Februar 2011 gab es hier sehr schwere Erdbeben. Bei Letzterem sind 185 Menschen ums Leben gekommen und es wurde die Gedenkstätte 185 empty chairs errichtet. Ein Platz mit 185 weißen, leeren Stühlen. Des weiteren wurde auch u.a. die ChristChurch Cathedral zerstört und es wurde die provisorische Cardboard Cathedral errichtet. Die einzige Kathedrale der Welt, die teilweise aus Karton gebaut wurde. 2012 wurde entschieden, dass die Cathedral abgerissen werden soll und die Abrissarbeiten hatten sogar schon begonnen. Nach Einspruch und längerer Diskussion wurde im September 2017 entschieden, dass die Cathedral wieder aufgebaut wird.
Ansonsten lohnt es sich mal durch die New Regent Street zu laufen mit den bunten Häusern. Das war heute auf jeden Fall ein toller Tag, bei Sonnenschein die Stadt zu erkunden und irgendwie war es eine sehr gemütliche und entspannte Atmosphäre überall in der Stadt.

Somit habe ich also Milford Sound und Mount Cook während meines Neuseeland-Aufenthaltes leider verpasst. Hätte ich wirklich sehr gerne gesehen. Also genau zwei… nein mindestens zwei Gründe, um nochmal nach Neuseeland zu kommen. Es hat mir hier wirklich sehr gut gefallen. Und die Zeit ist leider viel zu schnell vergangen. Neuseeland ist Aufjedenfall eine Reise wert. Oder vielleicht auch mehrere. 😉

Und zusätzlich zu meinem „klassischen Reisebericht“ anbei noch ein paar Sachen, die ich einfach mal festhalten möchte: 😉

An meinem letzten Abend in Queenstown, bevor es nach Stewart Island ging, bin ich abends noch ein bisschen spazieren gegangen und wollte einfach irgendwo ein Bierchen trinken. Ich bin dann in einer ziemlich verlassenen Kneipe gelandet, die mich aber irgendwie angelacht hat. Dort gab es dann einen offenen Kamin und es lief Musik von James Brown und andere Musik aus dieser Zeit und irgendwie hat das alles gut zusammen gepasst. Dann habe ich mich alleine auf das Sofa vor das Feuer gesetzt, überteuertes Bier getrunken, war irgendwann der einzige Gast in der Kneipe und habe den Abend alleine am offenen Kamin irgendwie total genossen. 😊
Das sind so kleine, tolle Erlebnisse / Abende, die so eine Reise u.a. ausmachen.

Wieder zurück im Hostel waren wir dann in dieser Nacht ausnahmsweise mal nur zu zweit im Schlafsaal. KG und ich. Ein echt cooler und witziger Typ. In Botswana aufgewachsen, lebt in Australien und jetzt sucht er einen Job in Queenstown. Und nachdem er 40 Jahre alt ist, meinte ich zu ihm, dass wir bestimmt die ältesten in dem ganzen Hostel sind. Und dann haben wir bisschen gequatscht über das witzige Backpacker-Leben und was wir uns damit teilweise antun. In dem Bad waren lauter Risse in der Decke und aus einem hing ein Taschentuch. Als ich ihn fragte, ob er weiß was der Sinn der Sache ist, meinte er nur: „Zieh bloß nicht dran. Man weiß nie was bei so etwas passiert und ob dann vielleicht das ganze Hostel einstürzt“. Aber das Beste war der Lärm der Lüftung im Bad. Wenn man das Licht einschaltete, hatte man das Gefühl man steht mitten auf einer Baustelle oder so. Super, wenn nachts jemand auf die Toilette geht und den Lichtschalter betätigt. Ich meinte dann zu KG, dass ich, wenn ich irgendwann mal wieder in meiner eigenen Wohnung zu Hause ankomme, all diese Sachen wahrscheinlich vermissen werde und ohne die Dinge gar nicht mehr leben und schlafen kann vor lauter Gewohnheit:
– Mitbewohner, die betrunken mitten in der Nacht in das Zimmer stolpern;
– Mitbewohner, die sehr früh aufstehen, weil sie einen Ausflug machen oder abreisen;
– so ein Baustellenlärm von einem Badlüfter;
– die Disziplin nachts im Dunkeln das obere Stockbett herunter zu klettern, um die Toilette zu erreichen, dabei versuchen sich leise zu verhalten, um niemanden zu wecken… um dann doch auf dem Weg über einige Rucksäcke oder andere Gegenstände zu stolpern, was einen tierischen Lärm macht;
– und mindestens einer schnarcht dann doch immer in einem Schlafsaal.
Mein Gott werde ich das alles vermissen. 😉
Wahrscheinlich bin ich außerhalb eines Schlafsaals, mit einem Grundpegel an Lärm, gar nicht mehr in der Lage einzuschlafen. 😉
KG hat sich über meine Ausführungen nur schlapp gelacht…mir aber auch absolut Recht gegeben.

Und dann noch mal kurz zurück zu meinem jungen 18-jährigen Sohn Henrik. 😉
Das ist ja auch nur ein Beispiel, aber irgendwie ist es schon cool und faszinierend und spannend. So eine Reise ist schon irgendwie eine ganz andere Situation und Atmosphäre. Und da lernt man einfach Leute kennen, die man nicht kennt, die man vielleicht nur ein paar Stunden seines Lebens mal sieht und plaudert mit ihnen, trinkt ein Bierchen, etc.
Und dabei ist es völlig egal wie alt die Leute sind, wo sie herkommen, wer sie sind, etc. Und wie schon mal geschrieben: Ich habe sehr spannende, nette und interessante Leute kennen gelernt. Und was ich mit der anderen Situation meine ist Folgendes: Mit z.B. Henrik habe ich mich irgendwie echt gut verstanden und es hat Spaß gemacht Zeit mit ihm zu verbringen. Ich würde auch nicht ausschließen, dass mir das zu Hause passieren könnte, entweder einen ganz jungen oder einen alten Typen kennen zu lernen und mit dem einfach ein bisschen zu plaudern und ein Bierchen zu trinken. Aber im normalen Alltag würde sich das einfach irgendwie nie ergeben… dass ich zum Beispiel einen 18-jährigen kennen lerne und mit dem um die Häuser ziehe. Oder mit einem 63-jährigen, wie dem vorm Hostel in Singapur plaudere, der seit drei Jahren in einem Schlafsaal in Singapur lebt. 😂
Und auch das sind die spannenden Geschichten und Begegnungen einer solchen Reise.

Ansonsten bin ich erstaunt, dass ich „erst“ 4.000 Fotos gemacht habe, von welchen ich mit Sicherheit noch sehr viele aussortieren werde. Das sind insofern wenige, da ich schon öfters nach einer dreiwöchigen Gruppenreise mit circa 2.000 Fotos nach Hause gekommen bin. Aber das ist dann wahrscheinlich der Unterschied zwischen „Urlaub machen“ und „reisen“. Da fotografiert man dann einfach irgendwann nicht mehr alles.

Und ratzfatz ist die Zeit in Neuseeland nun leider schon um. Das ist irgendwie echt schnell vergangen und der Trip hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ein tolles Land mit einer faszinierenden und beeindruckenden Natur. Und es hätte noch so viel mehr zu sehen und zu unternehmen gegeben. Aber wer weiß, vielleicht komme ich ja irgendwann nochmal hier her zurück…

Morgen startet dann das letzte Abenteuer meiner Weltreise und es geht nach Peru. Von Christchurch über Auckland über Santiago de Chile nach Lima. Das wird eine lange…eine sehr lange Reise. Von Neuseeland nach Peru beträgt der Zeitunterschied -18 (!) Stunden. Das hat irgendwie etwas von „Zurück in die Zukunft“!  😉

P1040146

 

3 Kommentare zu „Neuseeland, Teil 6

  1. Sehr geile Station Wolfi! Das mit der Fähre währe jetzt nicht so meins gewesen aber sonst… guten Flug!

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  2. Bryce castleton 23. April 2018 — 1:45

    Wolfgang Hell 😈 thanks for being a cool dude. We found the coolest bar for good beers in addington christchurch. Cheers buddy 🍻 good luck in south america and have a great time!

    Gefällt 1 Person

  3. Wolfi…!! It was Great meeting you and having such good laughs together. Ill be sure to call up an instillation company and get them to disperse some random baggage and mannequins around you apartment/house so can trip over them at night. It will help you sleep better and make you feel like you’re travelling again 😂. I’ll also ask them to destabilise your bathroom extraction fans and put it on an timer to come on randomly at night. it will be great – like old times. Hope to see you in Queenstown again – I’ll be here waiting here for you, in my fluffy slippers trading stocks 😂😂.

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